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Normale Version: Wetterleuchte's Polarwirbelexpertisen 16/17 - Analysen, Aussichten, Expertisen
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Moin Wetterleuchte,

Laut deiner Prognose kann Ich ablesen, dass die Wettermodelle von Tag zu Tag springen. Heißt das also, dass wir morgen vielleicht eine kalte Überraschung erleben könnten?

Gruss Olli

Frosty Sam

(03.01.2017, 17:02)Schneemann schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Moin Wetterleuchte,

Laut deiner Prognose kann Ich ablesen, dass die Wettermodelle von Tag zu Tag springen. Heißt das also, dass wir morgen vielleicht eine kalte Überraschung erleben könnten?

Gruss Olli

Sie springen von Tag zu TAg in ihren Vorhersagen, was in 7 oder 10 Tagen so ist - sie springen aber nicht
in dem, was morgen ist! Vorhersagen für den nächsten Tag sind zu über 90% sicher! Und außerdem hat
Wetterleuchte von der Stratosphäre gesprochen und nicht vom Wetter bei uns!

Durch die Mildphase von heute und heute  Nacht muß jeder durch in Deutschland, die im Nordwesten aber
noch mehr als die im Südosten! Ab morgen früh wirds aber genereill von Nordwest wieder kälter, sodaß die
NS mehr und mehr wieder als Schnee fallen werden. Die Frage ist halt nur, wieviel dann noch kommt?


lg
(03.01.2017, 17:02)Schneemann schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Moin Wetterleuchte,

Laut deiner Prognose kann Ich ablesen, dass die Wettermodelle von Tag zu Tag springen. Heißt das also, dass wir morgen vielleicht eine kalte Überraschung erleben könnten?

Gruss Olli

Hi Olli,

wenn Du die Modellberechnungen in der Zukunft nach 5-7 Tagen meinst: mich würde es nicht wundern. Auch wenn es plötzlich wärmer gerechnet werden würde. Wir sehen ja meist nur den Hauptlauf an und der zeigt ja die schönsten Bocksprünge. Bei den ENS (Gesamtlösung des Laufes mit allen Einzelberechnungen des Durchgangs) schwingt es dagegen nicht ganz so krass. Hinter den ENS-Veränderungen aber verbergen sich die wesentlichen Änderungen in den Großwetterlagen. Noch sagen die ENS der nächsten 7-10 Tage für uns Winterwetter mit Temperaturen im Süden unter den langjährigen Mittelwerten und im Norden schon teilweise darüber oder am Mittelwert. Damit könnten wir ja eigentlich zufrieden sein und uns entspannen, denn Winter ist das allemal (jedenfalls unser Durchschnittswinter, was die Temperaturen angeht).

Aber nochmal zurück auf die Frage, warum die Modelle derzeit so große Differenzen in den Lösungen haben. Was wir ja gerade jetzt und in den nächsten Tagen erleben können und werden, sind ja doch sehr umfangreiche Bewegungen in der Troposphäre. Man betrachte nur das Sturmtief, das jetzt gerade auf uns übergreift. Das ist ja nur ein Baustein im ganzen Gefüge, das sich allein zwischen der Westküste von Nordamerika und der Ostsee abspielt. Da wird soviel Energie herumgewirbelt, dass es tatsächlich unmöglich erscheint, alle Entwicklungen noch zeitnah richtig berechnen zu können. Und da liegt auch das Problem: die Abläufe sind in der Summe einfach zu viele und das übersteigt die Kapazitäten der Wettermodelle. Das produziert Berechnungen, die nicht mehr mit der Veränderung der Realität mitkommen können. Und diese Berechnungen gehen in die Modellwelt ein und darauf gründen sich alle Folgeberechnungen - bis dann die Echtdaten die Fehlberechnungen ersetzen. Und dann kommt der nächste Sprung hinten raus im Ergebnis. Das wird sich also erst ändern können, wenn sich die gesamte Wetterlage wieder beruhigt auf ein Tempo, mit dem die Modelle noch mitkommen können. Das könnte oder sollte in 2 Tagen erreicht sein, wenn ich nicht irre. Allerdings haben wir ausgerechnet dann einen SSW-Schub oben in der oberen Stratosphäre, so dass ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazukäme, der die Modellergebnisse erneut springen lassen könnte. Ist eine schwierige Kiste im Moment. Da bin ich froh, dass ich meine Einschätzung schon am 29. Dezember erarbeitet hatte. Und die steht auch weiterhin. Heute wäre das eine Aufgabe, die man besser nicht leisten sollte..

Für heute dann aber wieder genug virtuelles Wetter im Forum. Ich freue mich auf das Vollwetter draußen vor meiner Haustür und werde morgen in der Früh aufstehen und versuchen, ganz viel von dieser Wetterenergie aufzunehmen.

Schönen Abend allen!

Edit: Danke Frosty Sam!
Hallo Wetterleuchte,
Nach deiner Analyse von vorgestern vermute ich ganz stark 
das die Modelle die Sturmtiefs mit ihrer Energie überschätzen,
wegen der Wärme-Anomalie (850er Werte) über Grönland um sich 
später in ihren Rechnungen zu korrigieren.
Also sollte man beobachten ob Grönland wieder mit mehr Wärme
gefüttert wird,was dann auch die Ausgangslage für unseren Witterungsverlauf 
Verändert. Mehr Wärme über Grönland würde zu Hochdruck in diesem
Gebiet führen und zu einem Kälteren Wetterverlauf in Mitteleuropa.

Da ich Laie bin würde mich wirklich interessieren ob es in diesem 
Gebiet Grönland schon eine Veränderung der Wärme-Anomalie (850er Werte)
gibt.Sollte ich deine Analyse falsch verstanden haben,
dann verzeihe es mir, da ich Laie auf dem Gebiet bin,
und bitte dann mich zu verbessern damit ich Lernen kann.

Gruß Graf Dracu  Shy
Noch eine Frage in die Runde. Wetterleuchte wieso haben wir QBO West? Das hatten wir doch schon die letzten drei Winter? Wann kommt QBO Ost? Die nächsten Jahre nicht mehr? Ich weiß das gehört eigentlich nicht in diesen Thread aber mich würde das echt mal interessieren warum wir eine QBO Ost Armut in den Wintern seit Jahren haben.

Score12

Danke Wetterleuchte für die tolle Erklärungen!
(03.01.2017, 23:28)Schwabenland schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Noch eine Frage in die Runde. Wetterleuchte wieso haben wir QBO West? Das hatten wir doch schon die letzten drei Winter? Wann kommt QBO Ost? Die nächsten Jahre nicht mehr? Ich weiß das gehört eigentlich nicht in diesen Thread aber mich würde das echt mal interessieren warum wir eine QBO Ost Armut in den Wintern seit Jahren haben.

Hi Schwabenland,

passt genau in das Thema.

Wir haben in dieser Wintersaison eine Entwicklung, die es seit Aufzeichnungsbeginn noch nicht gab. Letztes Jahr zum Jahresanfang (2016) ist der Wind oben in der Stratosphäre von West auf Ost gedreht. Das war auch normal. Doch erstmals setzte sich diese Windumkehr nicht nach unten in die untere Stratosphäre durch! Stattdessen blieb es in der mittleren Stratosphäre bei Westwind. Doch weiter unten drehte der Wind auf Ost. So haben wir erstmals eine Entwicklung ohne eine durchgehende Windumkehr gehabt. Und das hat alle Profis überrascht. Tja, und der Wind ganz oben wechselte schon bald wieder auf West, nur ganz unten blieb er bei Ost.

Hier im Schaubild gut zu erkennen: grau = Westwind, weiß = Ostwind:

[attachment=3820]
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Die Sonderlösung der Natur habe ich mit dem roten Kreis markiert. Derzeit haben wir von ganz oben bis weit runter Westwind. Das erschwert SSW-Events, da Schwerewellen, die nach oben gerichtet sind, verstärkt zum Äquator abgeleitet werden und damit nicht polseits, wo es dann zu einer stärkeren Erwärmung kommen könnte. Dennoch kann es auch bei Westwind zu einem SSW kommen. Für die letzten Jahre kannst Du anhand der Grafik nun erkennen, ob wir West- oder Ostwind hatten.

Frage beantwortet?

Gruß!
(03.01.2017, 18:51)Graf Dracu schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Hallo Wetterleuchte,
Nach deiner Analyse von vorgestern vermute ich ganz stark 
das die Modelle die Sturmtiefs mit ihrer Energie überschätzen,
wegen der Wärme-Anomalie (850er Werte) über Grönland um sich 
später in ihren Rechnungen zu korrigieren.
Also sollte man beobachten ob Grönland wieder mit mehr Wärme
gefüttert wird,was dann auch die Ausgangslage für unseren Witterungsverlauf 
Verändert. Mehr Wärme über Grönland würde zu Hochdruck in diesem
Gebiet führen und zu einem Kälteren Wetterverlauf in Mitteleuropa.

Da ich Laie bin würde mich wirklich interessieren ob es in diesem 
Gebiet Grönland schon eine Veränderung der Wärme-Anomalie (850er Werte)
gibt.Sollte ich deine Analyse falsch verstanden haben,
dann verzeihe es mir, da ich Laie auf dem Gebiet bin,
und bitte dann mich zu verbessern damit ich Lernen kann.

Gruß Graf Dracu  Shy

Hi Graf Dracu,

ja, genau so meine ich das. Das Problem sind die umfangreichen Änderungen in nur sehr kurzer Zeit. Da stoßen die Rechenmodelle an die Grenzen der Kapazitäten und berechnen dann gleich zu Beginn der Modellläufe Ergebnisse, die schon in 12, 18 oder 24 Stunden durch Echtdaten ersetzt werden, die teils dramatisch von den berechneten Werten abweichen. Dramatisch im Sinne: in nur wenigen Stunden sind die Abweichungen so hoch zur Realität wie sonst nur in 2-3 Tagen. Und das verändert natürlich die Rechenergebnisse nach hinten raus extrem. Das erklärt dann auch die ständigen Wechsel in den Wetterlagen oder den entscheidenden Details.

Und Grönland und Arktis sind prädestiniert für diese Fehlerquellen, da sich gerade über Grönland wahrlich phänomenale Umschwünge in kürzester Zeit ereignen können. Ich mach mal ein Beispiel, das die hohe Dynamik zeigen soll. Anhand der Analysewerte wurden über Grönland am 30.12.2016 noch -4,07°C Abweichung zum Mittelwert ermittelt.
[attachment=3827]

Nur 2 Tage später war die Abweichung +7,16°C, also über 11 Grad wärmer, als 2 Tage zuvor.
[attachment=3828]

Solche Temperatursprünge laufen so schnell ab, dass die Modelle das trotz der 4 Läufe am Tag nicht mehr richtig erfassen können. Und dann starten die neuen Läufe mit den ersten fehlerhaften Berechnungswerten und diese Fehler verstärken sich nach hinten raus im Ergebnis. Wenn am Anfang auch nur kleine Differenzen sind zur tatsächlichen Entwicklung, dann verstärkt sich das Fehlersignal je weiter der Forecast reicht. An und für sich ja nichts schlimmes, aber an exponierten Positionen auf der Nordhalbkugel haben solche kleinen Rechenabweichungen große Wirkung auf die Wetterlagen z.B. in Europa. Und darauf hatte ich schon hingewiesen und Du Dracu hast das gut verstanden, was ich meinte.

Um das zu belegen, wovon ich hier schreibe, zeige ich mal ein Beispiel aus den Berechnungen von GFS und wir vergleichen diese Berechnung mit den Analysewerten nur 18 Stunden später:

Die Berechnung für den 04.01.2017 06z:
[attachment=3830]

Und nun die Analyse für den 04.01.2017 06z:
[attachment=3829]
Quelle alle Karten: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.

Und wir erkennen, dass für Grönland die Erwärmung unterschätzt wurde um 0,23 Grad innerhalb von nur 18 Stunden. Für den arktischen Ozean waren es sogar 0,28 Grad an unterschätzter Wärmeentwicklung. Und nun kann man sich vorstellen, dass diese nun in Wärme umgewandelte Energie ja nicht mehr als Windenergie vorhanden sein kann, wie es vom Modell aber berechnet wurde. Und wenn weniger Windenergie die Tiefdruck- und Hochdrucklagen beeinflusst, dann verändern sich die Positionen derselben und auch deren Entwicklungen...

Ich hoffe, das Problem wurde erkannt und ich habe es ausreichend gut beschrieben. Wenn man diese Fehlerquellen in den Modellen kennt oder erkennt, dann kann man das in seine Analysen und Entwicklungsbeschreibungen einfließen lassen. Um es noch einmal in eine Art Merksatz zu komprimieren:

Merke: wenn die Modellergebnisse für den Forecast ab Tag 5-7 von Modelllauf zu Modelllauf stark abweichen, dann liegt die Fehlerquelle im Nowcast!

Alles kein Hexenwerk, wenn man es weiß.  Smiley14

Alles verrate ich aber nicht Shutup , sonst werde ich nur wieder als ... beschimpft..

Schönen Tag, liebe Leute und genießt das Vollwetter, wenn Ihr könnt. Ich geh jetzt raus, die Sonne lacht gerade so schön!
Noch schnell ein Update zum Polarwirbel.

GFS berechnet heute nämlich für den 10. Januar erstmals einen Tripol. Demnach gibt es den starken Wirbel über Nordamerika, einen schwächeren Dipol über Sibirien und den schwächsten Dipol über Europa. Dieser letztgenannte wäre in der Troposphäre dann wohl entweder der Trog Europa (wir wären dabei) oder aber /(nur) das Tiefdruckgebiet östliches Mittelmeer. Da bin ich mir nicht sicher, weil das in den Modellberechnungen noch stark schwankt. Meine Tendenz wäre aber zu Trog Europa mit Verbindung zum Mittelmeertief.

Hier der Output:

[attachment=3835]

Interessante Lösung und erscheint mir recht wahrscheinlich. Könnte unser Winterwetter noch einen Tuck verstärken und vielleicht sogar verlängern. Gefällt mir gut.

So, jetzt aber wieder raus an die frische Luft.

Gruß in die Runde!
@Wetterleuchte zu der QBO Sache. Wie ich anhand der Grafik sehe ist der letzte zurückliegende Winter der oben dick grau hat QBO West oben und QBO Ost unten der von 2012/13 und das ist schon ne Weile her. Seit dem kaum mehr gescheite Winter Angry. Denn nur grad Übergänge oder QBO Ost nur bruchstückhaft in den Winterübergängen/um den Jahreswechsel und meist nur QBO West bringt kein Winter...
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