Jetzt kommt wieder meine Zeit, wo ich aus Grönlandnähe grüßen kann.
Hintergrund ist folgender: Ihr habt ja vielleicht schonmal davon gehört oder auch gemerkt, dass im Winter Sturmsaison ist, im Sommer gibt es die kaum. Das liegt daran, dass die Atlantiktiefs im Winter am kräftigsten sind. Ist schon immer so gewesen... naja, jedenfalls seit es den Atlantik und Europa geologisch gibt. Sie bilden sich zwischen der polaren Kaltluft und der subtropischen Warmluft, dazwischen liegt die Frontalzone. Deshalb gibt es warme Vorderseiten und kalte Rückseiten:
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Im Winter liegt die Frontalzone am südlichsten. Die polare Kaltluft ist in der Polarnacht über Schnee am ausgeprägtesten und die subtropische Warmluft wegen des niedrigen Sonnenstands am schwächsten. Im Sommer herrschen dagegen selbst über dem Eis am Nordpol häufig Plusgrade und die hoch stehende Sonne lässt selbst Deutschland häufig in den Bereich des Subtropen-Hochs rutschen. Der nördlichste Vertreter des Subtropenhochs ist nämlich das Azorenhoch. In den letzten 30 Jahren ergibt sich dadurch ein Temperaturunterschied in 850hpa von 3k zwischen Sylt und dem Alpenrand, von Nord nach Süd:
Aber... im Sommer kippt die Achse. Im Winter finden Atlantiktiefs in Skandinavien Kaltluft und Polarnacht, sodass sie häufig von West nach Ost ziehen können. Im Sommer liegt nur in Grönland flächig Schnee und das ist weiter weg von uns. Im Sommerhalbjahr (April - Oktober) verläuft die Achse von Westsüdwest nach Ostnordost.
Und im Sommer (Juni-August) verläuft sie von Südwest nach Nordost:
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Und jetzt kommt noch hinzu, dass ich im nordwestlichsten Mittelgebirge Deutschlands wohne, da kann nurnoch der Harz mithalten.
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In den letzten 30 Jahren hatte es bei mir eine Durchschnittstemperatur in 850hpa von 9°C. Jede Linie weiter südlich bedeutet 1k wärmer. Außerdem erreicht man auch 1k Temperaturunterschied, wenn man 100-150m auf- oder absteigt, Cityeffekt kommt oben drauf. Da das ganze norddeutsche Tiefland mindestens 200m tiefer liegt als ich (360m) und nur 1k auf gleicher Höhe kälter ist, hat es ein wärmeres Klima als ich. Die Großstädte im Süden sind auch meist auf unter 360m gelegen und München und Stuttgart sind zu weit südlich, da ist es auf gleicher Höhe über 1k wärmer.
Im Erzgebirge braucht man schon um die 500m, um mit mir mitzuhalten. Lirion im Nordschwarzwald und Wolfgang_Bayerwald dürften mit ihren ca 700m noch ein geringfügig kälteres Klima haben als ich. Wettergucker mit seinen nun 760m, hm, 3k wärmeres Klima, 400m höher als ich... fast identisch, aber kaum miteinander vergleichbar. Im Tal zwischen hohen Bergen ist der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht deutlich größer als bei mir. Außerdem machen es Lee- oder Föhn-Effekte mal deutlich wärmer, und mal ist es deutlich kälter weil es sich in den Bergen sorichtig einregnet. So'n Vergleichsthread wäre auf jeden Fall spannend.
Also dann mal zu meiner Statistik. Am 6. April stieg das Thermometer bei mir das 1. Mal über 20°C. Seitdem gab es...
Tmax <20°C: 8mal (mit heute 24.4.)
Tmax >=20°C: 11mal
Sommertage: 0mal Anmerkung: Selbst in den heißesten Städten kommt man kaum auf 92 Sommertage, wie es einer Jahreszeit entsprechen würde.
heiße Tage: 0mal
Bei den Tmin sieht es folgendermaßen aus:
Tmin >=20°C: 0mal Anmerkung: bisher nicht vorgekommen, seit ich mich für Wetter interessiere.
Tmin >=15°C: 0mal Anmerkung: "Sauerländer Tropennacht", im Tiefland gibt's dann teils wirklich eine Tropennacht
Tmin >=10°C: 0mal
Tmin <10°C: 19mal
Tmin <5°C: 16mal
Ein ganz neues Gefühl. Der nächste Urlaub stand an, gefühlt war dieser aber gar nicht nötig.
Insofern bin ich Ende Januar entspannt wie nie gen Süden aufgebrochen.
Zu diesem Zeitpunkt war Corona noch kein Thema, insofern zeigte sich die Gegend um Reit im Winkl voll bis überfüllt.
Daher flüchtete ich am ersten Tag in die Loferauen. Dort war es wesentlich ruhiger, leider waren auch fast alle Viecher geflüchtet. Lediglich ein Graureiher hielt vorsichtig Ausschau:
Am Folgetag sollte es wettertechnisch attraktiver werden – mit etwas Neuschnee in der Nacht… und was HATTE es geschneit…:
Nachdem ich mich durch dieses Schneemalheur gekämpft hatte, wackelten der Wettergucker und meiner einer entlang der Südhänge am Rettenschöss über weiße Bänder der Sonne entgegen:
Kurz vor der Wildbichl Alm:
Nächste Station – das Staudinger Kreuz auf 1240m:
Beachtlich: Trotz der recht milden Witterungslage war der Walchsee bei Kössen dick zugefroren:
Zum Abschied noch ein Blick zurück über Kufstein im Inntal:
Und dann kam der 28.01.
Was war das für ein Wettertraum.
Wir starteten mit Sonne pur, welche uns zunächst auf der Hemmersuppenalm noch ordentlich einheizte:
Recht zügig zog es sich jedoch zu und es bildeten sich deutliche Strukturen heraus. Auch ein neugieriger Blick aufs Radar ließ interessante Dinge erwarten:
Was dann tatsächlich kam war mittels Fotos kaum festzuhalten, daher drei Videos an dieser Stelle:
Man achte auf die Belichtung:
Die Front beim Wettergucker: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.etter-Runde-Beitrag
Und beim wedder_man: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.etter-Runde-Beitrag
Als es nach etwa einer Stunde des Abwetterns wieder aufklarte:
Nachtrag zu gestern: am Kahlen Asten wollen se selbst einem Naturschutzgebiet an die Wäsche, um das Skikarussell Winterberg mit der Postwiese Neuastenberg zu verbinden. Wer den noch halbwegs unberührt sehen will, hat bestenfalls ein paar Jahre.
Naja, fast.
Eichen, Kastanien, Fichten, Linden und Maronen sind noch nicht so weit. Zierkirschen beginnen gerade erst, ebenso wie Ginster. Aber es blüht schon einiges im Moment und das heutige sonnige Wetter war ne gute Gelegenheit, die mal zu fotografieren. Im Tiefland mag man sich wundern, wie weit zurück hier die Natur ist. Aber vor 2 Wochen erst endete eine lange Nachtfrost-Phase hier, das hat sich alles erst seitdem entwickeln können. Die einzelnen Rückfälle richteten dann keinen großen Schaden mehr an.
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Also...
Erstmal gibt es hier tatsächlich noch Kühe, die auch wirklich auf der Weide grasen statt im Stall zu hocken. Jedenfalls wenn das Gras hoch genug ist, aber das ist jetzt auch der Fall:
Erstens blühen hier jetzt die Weiden gelblich mit ersten grünen Blättern... nein, nicht die Salweiden mit den Weidekätzchen, die sind sogar hier verblüht. Wie die genau heißen, weiß ich nicht, aber sie wachsen bevorzugt an Bächen:
Buschwindröschen:
Und natürlich die Kirschbäume, die sind jeden Frühling ein Anblick:
Naja, in der einen oder anderen Ecke sieht's schon recht grün aus:
Das ist ne Traubenkirsche, da wachsen im Herbst schwarze Beeren bzw. Kirschen an verästelten Stengeln, wie Trauben halt. Und darunter Löwenzahn, da kannste auch jeden Frühling die Straße mit pfastern.
In dem Wald hinter dem See ist jeder zweite Baum ein blühender Kirschbaum.
Das ist ne Feldahorn-Art, da sind im Herbst soziemlich alle Blätter gleichzeitig gelb. Darunter wieder Löwenzahn, im Tiefland werden aktuell wohl lauter Pusteblumen rumstehen.
Ne andere Feldahorn-Art. Deren Zeit geht langsam zu Ende, der Berg-Ahorn wird der legitime Nachfolger:
Und nochmal Pusteblumen, Kirschen und... Birken, grüße an die Pollen-Allergiker.