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Normale Version: Diskussionen rund um den Polarwirbel 2023/24
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Dieses mal werde ich den Thread mal eröffnen, ich habe mich zwar bei weitem nicht so reingefuchst wie der Heinrich, aber dennoch fange ich mal direkt mit einem sehr interessanten Thema an.

Es wird um den Hunga Tonga Ausbruch gehen, der Anfang letztes Jahr stattfand. Dieser hat wohlmöglich weitreichende Folgen für den Polarwirbel, da eine unfassbar große Menge von Wasserdampf in die Atmosphäre gelangt ist, davon auch einiges in die Stratosphäre.

Der Fabian Ruhnau erklärt es ebenfalls gut am Anfang vom neuesten Kachelmann Video:



Das Diagramm was er benutzt zu der Wasserdampfkonzentration in der Stratosphäre auch hier nochmal in groß:

[Bild: FfkG3YIXwAEETzW?format=jpg&name=small]

Man sieht eine normale Verteilung bis es seit dem Ausbruch vom Vulkan einen wahren Tsunami an Wasserdampf gegeben hat. Fabian Ruhnau kommentierte übrigens unter dem Video das die Auswirkungen noch in 5-10 Jahren zu spüren sein werden.

Wie es sich auswirkt ist unsicher, die Meinungen gehen da teilweise stark auseinander.

Zusätzlich kommt diesen Winter verstärkt auch der vermutlich stark ausfallende El Ninio dazu und wir haben eine beginnende QBO-Phase also eine Fase wo es vermehrt Ostwind gibt im Bereich des Polarwirbels, wenn ich das richtig verstehe.

[Bild: qbo_plot.png]

Man sieht das in den oberen Bereichen der Ostwind sich schon durchgesetzt hat mit Tendenz zu der Verlagerung nach unten. Eine QBO-Phase alleine bringt nicht zwingend einen kühleren Winter aber was sich in Zusammenhang mit El Nino und den Auswirkungen des Ausbruchs ergibt, werden wir sehen. Es wird zumindest deutlich spannender als die letzten Jahre, alleine weil es bisher keine vergleichbare Lage gab.

Hier eine Vorhersage des Zonalwindes, aktuell verläuft alles nach Plan und der Polarwirbel erstarkt, wenn auch im Laufe des Oktobers einige Ausreißer nach unten zu sehen sind (unter 0 wäre Ostwind):

[Bild: ps2png-worker-commands-77969c47cb-j9gnm-...rcVFvk.png]

Das mal als eine erste Zusammenfassung des aktuellen Status zu dem Thema.
Jaaaa... 1 Tag vor dem ersten Dezember und Meteorologischen Winteranfang und es ist seeehr ruhig hier. Warscheinlich genießen alle den frühen und schönen Wintereinbruch?
Vielleicht gibts es ja hier wieder den einen oder anderen spannenden Beitrag zu lesen. Mike hat ja schon sehr früh begonnen.
Genießt das "noch" frostige Wetter.
Grüße in die Runde
Grüßt Euch!

Dann will ich zunächst meinen Beitrag von gestern zum Thema Polarwirbel hier rüber ziehen:

(29.11.2023, 16:42)Heinrich schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login....Und schließlich bleibt noch der Blick in die stratosphärische Glaskugel für die Langfrist und zur Absicherung der Kurz- und Mittelfrist. Wenn in der untersten Stratosphäre sich der winterliche Polarwirbel oder ein Teil davon so platziert, dass wir (in der Höhe) auf die kalte oder warme Seite gelangen, dann hat man schnell eine recht gute Tendenz-Beurteilung. Die Kopplung der Stratosphäre mit der Troposphäre lässt solche Wahrscheinlichkeiten zu und mit etwas Übung kann man so die weitere Entwicklung ganz gut einschätzen. Für eine echte Prognose braucht man dann aber viel mehr Erfahrung und auch ein Verständnis für die komplexen Zusammenhänge. Gleichwohl, auch der Laie kann sich diesem Format bedienen und sich seine wahrscheinliche Wetterentwicklung (hier Großwetterlagen) zusammendenken.

Ein Beispiel aus der aktuellen Praxis. Vor 10 Tagen schrieb ich im Forum:
(19.11.2023, 14:18)Heinrich schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Grüßt Euch!

Scheint tatsächlich etwas im Busch zu sein, denn auch die Kraniche haben einen massenhaften Flug in den Süden hingelegt. Über Hessen allein waren über 100.000 an einem Tag unterwegs, was dann wohl Rekord sein könnte. Das machen die stattlichen Vögel ja nicht zufällig, so dass mit kälterem Wetter zu rechnen sein dürfte.

Schaut man auf die Wettermodelle, so will es bisher GFS winterlich haben ab etwa dem 26. November - dann gleich mit einer geschlossenen Schneedecke in weiten Teilen Deutschlands - auch im Flachland/Tiefland. Allerdings sehen andere Modelle wie ECMWF das gar nicht so.

Dieser Zwiespalt zeigt sich auch im unteren stratosphärischen Polarwirbel deutlich. Während GFS einen für uns kalten Dipol über Mitteleuropa sieht, berechnet ECMWF das anders und lässt uns auf der warmen Seite bleiben.

Nehme ich die Kraniche als Indizgeber hinzu, scheint die Waage mehr zu GFS auszuschlagen. Mal abwarten, ist ja noch etwas hin bis zum 26.

Sollte GFS den besseren Riecher haben für die Zeit um den 26. November, dann gibt es ein kurzes intermezzo mit winterlichen Wettererscheinungen. Allerdings würde das schon bald zu einer strammen südwestlichen Höhenströmung führen, was dann mit Winterwetter nicht viel gemein hätte. So oder so, im Wettergeschehen ist viel in Bewegung auf unserer Seite der Nordhalbkugel und so ist alles im Rahmen des Möglichen für die nächsten 2-3 Wochen.

Meinen Gruß!

Nun, wir wissen längst, dass GFS die bessere, weil richtige Berechnung für die Stratosphäre hatte und damit auch für die Großwetterlagen bei uns. Wir haben plötzlich Winter bekommen und Schnee!

Vor 10 Tagen konnte ich allerdings auch schon erkennen, dass die GFS-Berechnung - mit Winter - nach einem Intermezzo von ein paar Tagen leider zu einer SW-Strömung führen würde. Und heute, 10 Tage später, verdichten sich die Anzeichen für eine Großwetterlage mit SW-Höhenströmung. Dies zeigt sich auch im stratosphärischen Polarwirbel in 100 hpa. Schon in 5-7 Tagen würden wir milde Luft aus SW bekommen, was den Schnee im Flachland zur Geschichte werden ließe.
Hier die Berechnung von GFS für den Nikolaustag:

[attachment=47752]

Behält GFS damit recht, dann wird daraus nur 3 Tage später eine ganz stramme Westwind-Lage mit Sturmgefahr bei uns. Man merke sich den 10 Dezember für ein mögliches Sturmereignis mal vor. Wo das genau überall sein wird, müssen uns die Wettermodelle aufzeigen. Also kann man auch nach der Mittelfrist eine Tendenz ablesen, die zumindest einen Ausblick in die Zukunft zulässt. Garantien gibt es natürlich nicht, nur Wahrscheinlichkeiten.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zeit zur Monatsmitte Dezember, denn zumindest nach GFS ist die Sache ziemlich eindeutig:

Mild gewinnt:

[attachment=47753]

Nennt man das Vorweihnachtstauwetter? Südwestdüse par exellence in Dauerschleife, aber das muss ja nicht so kommen!

Denn, noch ein letzter Nachtag: ganz oben in 01 hpa der Stratosphäre deutet sich für den Nikolaustag eine erste rasche Erwärmung an, die bis in die 10 hpa-Ebene schon im ersten Anlauf durchdrücken soll. Das jedenfalls hat heute ECMWF berechnet. Das reicht nicht für eine Zonalwindumkehr, aber es kann ein Türöffner sein für weitere erfolgreiche rasche Erwärmungen. Ich komme darauf noch zu sprechen demnächst im Polarwirbel-Thread - wenn ich mal endlich weider mehr Zeit haben werde...

Darauf kann man aufbauen, oder sagen wir, es ist ein Anfang.
Meinen Gruß!
Grüßt Euch!

Leider haben sich an den Berechnungen für den stratosphärischen Polarwirbel und meinen Vorausschauen nicht viel geändert. Eigentlich nichts, was uns tangiert bsi zur Monatsmitte. So sollten wir uns direkt ab/ direkt nach Nikolaus auf Tauwetter einstellen. Nur oben in den Bergen bleibt es wohl winterlich. Trotzdem: ein richtig guter Winterstart - auch oder besonders für die Flachländer (einige Regionen mal eventuell ausgenommen, das habe ich nicht so im Überblick).

Ganz hinten in der Glaskugel deutet sich um den 18. Dezember vielleicht eine Rückkehr des Winters an. Mindestens temperaturtechnisch. Es deutet sich zumindest eine Nordost-Lage an, vermutlich aber nicht nachhaltig. Das ist aber noch sehr spekulativ und daher sollte man das unter "mögliche Tendenz" abheften. Käme das so, dann könnte sich von Nord nach Süd eine Luftlassengrenze einstellen. Das könnte in die direkte Vorweihnachtszeit fallen...

Oben in der Stratosphäre zeigt sich der winterliche Polarwirbel kräftig und bestens entwickelt. Der hohe Gehalt an Wasser in der Stratosphäre hat sich inzwischen auch auf die Nordhalbkugel ausgedehnt und sorgt für Abschirmung/Reflexion der Wärmestrahlung der Sonne und wohl gleichzeitig für mehr Treibhauseffekt. Das ist das Ergebnis eines einzigen Vulkanausbruchs. Das wird uns noch lange beschäftigen, da es sehr lange (Jahre) dauern wird, bis dieser Zustand sich auf Normalmaß abflachen wird.

Was dieser hohe Wasseranteil für den Polarwirbel bedeutet, wird in der Fachwelt unterschiedlich bewertet. Insgesamt soll die Erwärmung der Erde dadurch forciert werden. Allerdings sehe ich im Winter auf der Nordhalbkugel den stratosphärischen Polarwirbel durch diesen Feuchteeintrag gestärkt und kälter als im Durchschnitt. So werden rasche Erwärmungen (SSW) es schwer haben, sich massiv in die mittlere Stratosphäre durchszusetzen. Und das hält den Polarwirbel stark und wenig anfällig für Störungen. Eher wird es erneut (siehe Vorjahre) zu Deplacements kommen, also eine Verschiebung des insgesamt gesunden Polarwirbels fort von seiner angestammten Position. Ein überbordendes Aleutenhoch dürfte den Anfang machen und den Polarwirbel schon bald in seiner Achse nach Süden drücken. In dieser Position ist der Polarwirbel allerdings auch Anfälliger auf rasche Erwärmungen (SSW), die zwar schwächer sein werden, aber natürlich trotzdem Effekte auslösen werden. So dürfte sich das Displacement nochmals verschieben - hin nach Osten. Und das ist potentiell für Eurasien dann eine sehr kalte Angelegenheit. Wir in Mitteleuropa dürften davon profitieren, da es nicht nur absehbar, sondern schon erkennbar in Skandinavien deutlich kälter wird und ist als im Durchschnitt.

So könnte es also durchaus sein, dass wir einen mehr als respektablen Winter vor uns haben, trotz oder - meine Meinung - gerade wegen des hohen Feuchtegehalts in der Stratosphäre. Dieses von mir gezeichnete Muster könnte sich - sofern ich hier nicht daneben liegen sollte - dann auch in den nächsten Jahren wiederholen. Das würde eigentlich bedeuten: die nächsten Jahre könnte es wieder Kaltwinter geben. Wir werden ja sehen, ob das so kommt, denn eigentlich spricht die Klimaerwärmung gegen ein solches Szenario.

Was man allerdings schon beobachten kann (sogar schon vor dem Vulkanausbruch) ist, dass sich die Eismassen auf Grönland gut halten und die Meereisausdehnung Richtung Europa ebenfalls gut entwickeln konnte. Auch fällt auf, dass Skandinavien im Winter früh zur Kältekammer wird. Unser jetziger Wintereinbruch ist auch diesen Umständen geschuldet und somit verstärken sich eventuell die guten Bedingungen in Nordeuropa/Grönland und die Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf den stratosphärischen Polarwirbel gegenseitig. Zumindest sehe ich diese Konstellation in diesem Jahr als wahrscheinlich an. Wissen werden wir das wohl erst in den nächsten Jahren.

Schönen Ersten Advent allen und meinen Gruß!
Hallo Heinrich.
Vielen Dank, für Deine Ausführungen zu der Wetterküche in der oberen Etage.
Man darf gespannt sein wie es denn kommen mag.
Ich jedenfalls werde das mit Spannung verfolgen.

Grüße in die Runde
(03.12.2023, 11:09)Heinrich schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login....Ganz hinten in der Glaskugel deutet sich um den 18. Dezember vielleicht eine Rückkehr des Winters an. Mindestens temperaturtechnisch. Es deutet sich zumindest eine Nordost-Lage an, vermutlich aber nicht nachhaltig. Das ist aber noch sehr spekulativ und daher sollte man das unter "mögliche Tendenz" abheften. Käme das so, dann könnte sich von Nord nach Süd eine Luftlassengrenze einstellen. Das könnte in die direkte Vorweihnachtszeit fallen...

Grüßt Euch!

Tauwetter hat eingesetzt und die milde Luft kommt aus SW, wie schon am 29. November vermutet wurde (siehe vorherige Beiträge). Auch Wind wird am 10. bis 12. Dezember Thema werden, auch wenn es uns wohl nicht so arg mit echtem Sturm treffen wird. So können wir nun etwas weiter nach vorne schauen, da war doch was um den 18. Dezember angepeilt für die Zeit direkt vor Weihnachten. Ein Blick auf die Berechnungen in der unteren Stratosphäre zeigt dieses Bild für den 18. Dezember:

[attachment=47902]

Das wäre keine so schlechte Ausgangslage für ein neuerliches winterliches Vergnügen. Das würde - sollte die Dynamik im Polarwirbel wirklich so kommen, wie von GFS bis hierhin berechnet - vermutlich in eine Nordost-Wetterlage münden. Nicht stabil, da der Polarwirbel in seiner dargestellten Dipolteilung nicht lange verharren kann. Der Wirbel wird sich wieder zusammenfügen und eventuell einen neuen eher schwachen Dipol über Sibirien ausbilden, was dann den Wirbel elyptisch etwas nach Süden verzerren würde, in unsere Richtung. Wir wären dann rasch an einer Luftmassengrenze, die sich von Norden nach Süden bewegt und dann wieder zurück. Könnte für Schnee reichen bis ganz runter, vielleicht kurz vor Weihnachten oder sogar direkt Heiligabend??? Ist einfach noch zu weit weg. Wir müssen es abwarten...

Meinen Gruß!
Danke für Dein Update! Dann hoffen wir mal dass es spätestens vor Weihnachten in Mitteleuropa wieder deutlich abkühlt und sich das kommende Hoch retrograd bewegen wird.
(07.12.2023, 18:19)Heinrich schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login....Das würde - sollte die Dynamik im Polarwirbel wirklich so kommen, wie von GFS bis hierhin berechnet - vermutlich in eine Nordost-Wetterlage münden. Nicht stabil, da der Polarwirbel in seiner dargestellten Dipolteilung nicht lange verharren kann. Der Wirbel wird sich wieder zusammenfügen und eventuell einen neuen eher schwachen Dipol über Sibirien ausbilden, was dann den Wirbel elyptisch etwas nach Süden verzerren würde, in unsere Richtung. Wir wären dann rasch an einer Luftmassengrenze, die sich von Norden nach Süden bewegt und dann wieder zurück. Könnte für Schnee reichen bis ganz runter, vielleicht kurz vor Weihnachten oder sogar direkt Heiligabend??? Ist einfach noch zu weit weg. Wir müssen es abwarten...

Grüßt Euch!

Gestern geschrieben, heute ist es in den Berechnungen (siehe fett oben im Zitat). Gestern wollte GFS nach dem 18. Dezember noch eine andere Lösung, als ich sie formuliert hatte bis Weihnachten. Der Dipol über Sibirien war gestern kein Thema und die Tage zuvor auch nicht. Heute nun dieses Szenario mit dem Dipol über Sibirien am 20.12.2023:

[attachment=47904]

und aus der Dynamik heraus dann die Entwicklung zur Elypse am 23.12.2023:

[attachment=47905]

Das sollte - wenn es schlussendlich so oder sehr ähnlich kommen würde - bei uns wohl weiße Weihnachten bedeuten. Timing ist alles oder wie?

Meinen Gruß!
(03.12.2023, 11:09)Heinrich schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Grüßt Euch!

Leider haben sich an den Berechnungen für den stratosphärischen Polarwirbel und meinen Vorausschauen nicht viel geändert. Eigentlich nichts, was uns tangiert bsi zur Monatsmitte. So sollten wir uns direkt ab/ direkt nach Nikolaus auf Tauwetter einstellen. Nur oben in den Bergen bleibt es wohl winterlich. Trotzdem: ein richtig guter Winterstart - auch oder besonders für die Flachländer (einige Regionen mal eventuell ausgenommen, das habe ich nicht so im Überblick).

Ganz hinten in der Glaskugel deutet sich um den 18. Dezember vielleicht eine Rückkehr des Winters an. Mindestens temperaturtechnisch. Es deutet sich zumindest eine Nordost-Lage an, vermutlich aber nicht nachhaltig. Das ist aber noch sehr spekulativ und daher sollte man das unter "mögliche Tendenz" abheften. Käme das so, dann könnte sich von Nord nach Süd eine Luftlassengrenze einstellen. Das könnte in die direkte Vorweihnachtszeit fallen...

Oben in der Stratosphäre zeigt sich der winterliche Polarwirbel kräftig und bestens entwickelt. Der hohe Gehalt an Wasser in der Stratosphäre hat sich inzwischen auch auf die Nordhalbkugel ausgedehnt und sorgt für Abschirmung/Reflexion der Wärmestrahlung der Sonne und wohl gleichzeitig für mehr Treibhauseffekt. Das ist das Ergebnis eines einzigen Vulkanausbruchs. Das wird uns noch lange beschäftigen, da es sehr lange (Jahre) dauern wird, bis dieser Zustand sich auf Normalmaß abflachen wird.

Was dieser hohe Wasseranteil für den Polarwirbel bedeutet, wird in der Fachwelt unterschiedlich bewertet. Insgesamt soll die Erwärmung der Erde dadurch forciert werden. Allerdings sehe ich im Winter auf der Nordhalbkugel den stratosphärischen Polarwirbel durch diesen Feuchteeintrag gestärkt und kälter als im Durchschnitt. So werden rasche Erwärmungen (SSW) es schwer haben, sich massiv in die mittlere Stratosphäre durchszusetzen. Und das hält den Polarwirbel stark und wenig anfällig für Störungen. Eher wird es erneut (siehe Vorjahre) zu Deplacements kommen, also eine Verschiebung des insgesamt gesunden Polarwirbels fort von seiner angestammten Position. Ein überbordendes Aleutenhoch dürfte den Anfang machen und den Polarwirbel schon bald in seiner Achse nach Süden drücken. In dieser Position ist der Polarwirbel allerdings auch Anfälliger auf rasche Erwärmungen (SSW), die zwar schwächer sein werden, aber natürlich trotzdem Effekte auslösen werden. So dürfte sich das Displacement nochmals verschieben - hin nach Osten. Und das ist potentiell für Eurasien dann eine sehr kalte Angelegenheit. Wir in Mitteleuropa dürften davon profitieren, da es nicht nur absehbar, sondern schon erkennbar in Skandinavien deutlich kälter wird und ist als im Durchschnitt.

So könnte es also durchaus sein, dass wir einen mehr als respektablen Winter vor uns haben, trotz oder - meine Meinung - gerade wegen des hohen Feuchtegehalts in der Stratosphäre. Dieses von mir gezeichnete Muster könnte sich - sofern ich hier nicht daneben liegen sollte - dann auch in den nächsten Jahren wiederholen. Das würde eigentlich bedeuten: die nächsten Jahre könnte es wieder Kaltwinter geben. Wir werden ja sehen, ob das so kommt, denn eigentlich spricht die Klimaerwärmung gegen ein solches Szenario.

Was man allerdings schon beobachten kann (sogar schon vor dem Vulkanausbruch) ist, dass sich die Eismassen auf Grönland gut halten und die Meereisausdehnung Richtung Europa ebenfalls gut entwickeln konnte. Auch fällt auf, dass Skandinavien im Winter früh zur Kältekammer wird. Unser jetziger Wintereinbruch ist auch diesen Umständen geschuldet und somit verstärken sich eventuell die guten Bedingungen in Nordeuropa/Grönland und die Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf den stratosphärischen Polarwirbel gegenseitig. Zumindest sehe ich diese Konstellation in diesem Jahr als wahrscheinlich an. Wissen werden wir das wohl erst in den nächsten Jahren.

Schönen Ersten Advent allen und meinen Gruß!

Grüßt Euch!

Oben im Beitrag vom 3. Dezember hatte ich meine Vermutung angesprochen, wie sich dieser Winter aufgrund der aufgeführten Umstände entwickeln könnte. Dabei habe ich auch den stratosphärischen Polarwirbel angesprochen und vermutet, dass es nach einem erstarkten Aleutenhoch zu einem Displacement (also Verschiebung) des Wirbels nach Süden kommen dürfte und später dann eine weitere Verschiebung nach Osten hin (siehe Fettdruck im Zitat).

Genau das berechnet jetzt auch GFS, was meine Einschätzung mindestens untermauert. Hier die Animation der Entwicklung in 10 hpa von heute bis zum 25. Dezember 2023:

[attachment=47932]

Auch in 5 hpa geschieht diese Entwicklung und auch weiter runter bis 50 hpa. Somit dürfte der gesamte Polarwirbel bis zum 28. 12.23 in der Displacement-Position Ost zu liegen kommen. Das ist für uns in Mitteleuropa eine potentiell gute Position für längeres Winterwetter. Zwar liegt das alles noch weit in der Zukunft, aber die Tendenz ist schon recht eindeutig.

Mit dieser Aussicht dann allen einen schönen 2. Advent!
Heinrich.....vielen Dank für deine immer wieder hoch interessanten Beiträge, es ist immer eine Freude deine Beiträge zu lesen!! Im älteren Bekanntenkreis ist in letzter Zeit immer wieder zu hören das dieses Jahr ein besonders kalter Winter kommen soll....ich bin gespannt...und freue mich auf weitere lehrreiche Erklärungen von dir!!
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