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Normale Version: Diskussionen rund um den Polarwirbel 2025/26
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Da kommt noch was, mal schauen ob der PW sich davon wirklich noch erholt. Ob das doch wieder Möglichkeiten auf winterliche Allüren eröffnet ist aber noch fraglich:

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hi Mike,

ganz blöde Frage, was genau bedeutet das Diagramm bzw. was kann ich daraus erlesen?
Danke Dir,

VG Dominik
@Lirion:

Es gibt keine blöde Fragen, nur blöde Antworten!

Das Diagramm zeigt den Zonalwind im 10hPa-Niveau (sind 30Km Höhe, also in der Stratosphäre) am 60. Breitengrad. In dem fall Nord, da für unsere Hemisphäre wichtig. Es gibt dementsprechend auch das gleiche für die südliche Hemisphäre.

Der Zonalwind ist ein gutes Maß für die stärke des stratosphärischen Polarwirbels. Es ist ein Westwind der um das große Tiefdruckgebiet am Pol weht. Dieser Wind wird hier in Meter die Sekunde angegeben. Je stärker der Wind ist, desto kräftiger ist in der Regel der Polarwirbel, desto schwächer der Wind, desto schwächer der Polarwirbel.

Die blauen Linien sind ein ENS-Diagramm aller EZ-Member und die dicke blaue Linie ist das Mittel aller Läufe. Die dicke rote Linie ist der langjährige Mittelwert des Zonalwinds und die roten Linien sind die extrem Bereiche.

In dem von mir gezeigten Diagramm geht jetzt die Mehrheit der Läufe unter 0m/s. Das heißt einfach das mehrheitlich auf dem 60. Breitengrad Ostwinde herrschen, der Wind sich also von West nach Ost gedreht hat. Das geht nur wenn sich dort oben Hochdruck durchsetzt. Ausgelöst wird der Hochdruck durch plötzliche Wärmeblasen (ein sogenanntes Warming) von unten, die den sonst extrem kalten Polarwirbel aus dem Gleichgewicht bringen. Da Hochdruck sich im Uhrzeigersinn dreht, hast du auch die Änderung der Windrichtung. Da sich der gesamte 60. Breitengrad angeschaut wird, muss der Hochdruck natürlich eine gewisse Dominanz erreichen, damit im Mittel im gesamten Gebiet Ostwinde herrschen. Erst wenn der Hochdruck dominiert, kann man überhaupt von einem Major Warming sprechen, sonst wäre das nur ein Minor Warming quasi eine zu kleine Erwärmung ohne großen Impact auf das Tiefdrucksystem. Dann würde man nur ein abschwächen des Westwindes sehen und keine Umkehr zu Ostwind.

Diese starke Umstrukturierung in der Stratosphäre interferiert dann oft mit einem gewissen Zeitabstand (meist 1-3Wochen) mit dem Polarwirbel in der Troposphäre (es gibt einen Polarwirbel in beiden atmosphärischen Etagen). Das erhöht die Chance für abnehmende Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik und mehr Hochdruck im Bereich von Grönland und/oder Hochdruck Skandi bzw. britische Inseln. Das heißt aber noch lange nicht, ob die daraus resultierende Änderung in der Großwetterlage den Winter nach Mitteleuropa bringt, was es jedes mal wieder spannend macht es zu beobachten.

Es gibt noch weitere Wenn's und Abers, aber das führt zu weit. Ich steige da auch noch nicht überall ganz durch.
Hi Mike,

vielen Dank für die ausführliche Erklärung, das bringt ein wenig Licht ins Dunkel.
Das Wetter ist doch deutlich komplexer, als man als laien Interessierter denkt :-)

Da bin ich mal gespannt, wie es weiter geht, und ob sich so eine großer Änderung gibt,
die sich andeuten kann.

Nochmals vielen Dank für die Mühe und Aufklärung,

VG Lirion
(13.02.2026, 16:10)Heinrich schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.Oben in der Stratosphäre können wir nun entspannt abwarten, wie es weitergehen wird. Der Wirbel wird sich wieder erholen und zentrieren und dann irgendwann ab März Richtung Final Warming spazieren. Das kann nochmal Turbulenzen auslösen, aber das wird wohl alles nicht mehr so aufregend werden.

Hallo Mike und Lirion,

am 5. oder 6. März wird in 10 hpa die Marke für das Major Warming erreicht werden, also Windumkehr auf Ost und Wärme in Kombination. Ganz oben in 01 hpa haben wir das aktuell schon und nun wandert es bis in die 10 hpa-Ebene herab. Der stratosphärische Polarwirbel teilt sich - jetzt oben beginnend - in wenigen Tagen auch bis ganz runter in 100 hpa.

Das drückt dann in die Troposphäre und sorgt nochmals für Turbulenzen auf der Nordhalbkugel - aber das wird bei uns zumindest wohl nicht so gravierend ausfallen. Zunächst bei uns Hochdruckdominanz, Frühlingsluft, Sonne. Wann das kippt und ob es überhauupt bei uns richtig kippt, ist fraglich.

Jedenfalls sehen wir oben in der Stratosphäre das sogenannte Final Warming. Früh dran dieses Jahr und damit ein frühes Winterende. Ich denke, wir bekommen einen langen Frühling.

Meinen Gruß!
@Heinrich:

Sehe ich auch so, obwohl ich auch einen warmen Frühling und frühen Übergang in den Sommer nicht ausschließen würde. Man darf nicht vergessen das El Nino ja auch langsam im Aufbau ist, nach einer neutralen Phase ab April dürfte es ab dem Hoch oder Spätsommer in den El Nino Status übergehen. Das dürfte die Erwärmung wieder 1-2 Jahre einen kleinen Schubs geben. Und auch wenn es keinen direkten Einfluss hat sind die Sommer in den vergangenen El Nino Jahren auch alle gut warm gewesen, 2015 z.B. oder zuletzt 2023.
(27.02.2026, 14:08)Mike97 schrieb: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.@Heinrich:

Sehe ich auch so, obwohl ich auch einen warmen Frühling und frühen Übergang in den Sommer nicht ausschließen würde. Man darf nicht vergessen das El Nino ja auch langsam im Aufbau ist, nach einer neutralen Phase ab April dürfte es ab dem Hoch oder Spätsommer in den El Nino Status übergehen. Das dürfte die Erwärmung wieder 1-2 Jahre einen kleinen Schubs geben. Und auch wenn es keinen direkten Einfluss hat sind die Sommer in den vergangenen El Nino Jahren auch alle gut warm gewesen, 2015 z.B. oder zuletzt 2023.

Kleines Update zu zwei Themen:

Erstens der Zonalwind könnte ein weiteres mal ein wenig unter 0 gehen, das ist vielleicht jetzt das final warming, aber ich würde noch etwas abwarten. Hier die aktuelle Ensemble Vorhersage:

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Die zweite Sache betrifft den kommenden El Niño, da ich das ja im vorherigen Post erwähnt habe gebe ich hier auch noch ein Update. Die neuesten Vorhersagen haben nämlich ordentlich Fahrt aufgenommen, nachdem es erst nach einem moderaten Signal ab dem Sommer aussah, könnte es quasi Modellübergreifend berechnet zu einem möglicherweise starken El Niño entwickeln. Möglicherweise sogar in der Intensität von dem El Niño in 2015. Was das für die globale Temperaturentwicklung bedeutet, will ich gar nicht dran denken...
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