Hi Polarwirbel-Forscher,
heute möchte ich eine kleine Gegenüberstellung machen von den unterschiedlichen Berechnungen des amerikanischen Wettermodells GFS für die untere Stratosphäre. Man kann daran erkennen, dass die Berechnungen auch für die Stratosphäre keine sichere Bank sind, sondern ganz schön großen Änderungen unterliegen. Von der Troposphäre sind wir das ja gewohnt durch tägliches anschauen oder darüber lesen. Doch wer schaut schon täglich in die Stratosphärenkarten?!
Am 29. Dezember 2016 hatte GFS für den 08. Januar 2017 folgendes Bild berechnet:
08.01.2017 100hpa GFS+240h Dipol vor Split.png (Größe: 82,75 KB / Downloads: 181)
und daraus wurde dann 5 Tage später (heute) diese Simulation:
08.01.2017 100hpa GFS+120h Ellipse O-W Trog ME.png (Größe: 80,7 KB / Downloads: 181)
Das sind schon nette Unterschiede für nur 5 Tage Rechnerzeit, oder? Machen wir mal weiter und schauen uns an, was für den 10 Januar berechnet wurde, zuerst die Berechnung von gestern:
10.01.2017 100hpa GFS+240h Dipol und Trog ME.png (Größe: 81,12 KB / Downloads: 181)
Dann die neueste Berechnung nur 1 Tag später:
10.01.2017 100hpa GFS+168h Ellipse O-W schwacher Trog Europa.png (Größe: 81,01 KB / Downloads: 181)
Krass, oder?
Und weil sich die Änderungen geradezu verstärken, auch noch der Vergleich für den 12. Januar von gestern:
12.01.2017 100hpa GFS+240h Dipol und Trog ME.png (Größe: 81,01 KB / Downloads: 181)
und von heute:
12.01.2017 100hpa GFS+216h Wirbel NA Westdrift plus Hoch Westeuropa.png (Größe: 81,1 KB / Downloads: 181)
Da darf man sich zurecht fragen, was wohl aus der heutigen Simulation für den Freitag den 13. werden wird, ein schwarzer Freitag?
13.01.2017 100hpa GFS+240h Westdrift plus Hoch ME.png (Größe: 82,14 KB / Downloads: 181)
Kleiner Tipp noch: wenn Ihr mit dem Curser über die Grafik fahrt, dann gibt es auch noch einen Kurztext dazu.
Doch warum zeige ich Euch das überhaupt oder was will ich Euch damit wirklich sagen? Ich mache ja fast nix ohne Berechnung, gell!
Nun, wir sehen hier doch nur, was eigentlich ständig geschieht: die Modelle wechseln ihren Forecast so oft wie die Blusen oder Hemden: öfters, wenn nicht sogar täglich!

Will man - was ich ja nun schon öfters gemacht habe - mit Hilfe der Modellberechnungen eine Prognose für eine zukünftige Entwicklung jenseits von 10 Tagen erstellen, dann kann man sich auf eine Aussage ziemlich sicher verlassen: die Modelle zeigen nicht das, was sie in 5-9 Tagen zeigen werden - oder anders ausgedrückt: die Modellsimulationen darf man dazu nutzen, um in diese Bildchen die eigene Prognose hinein zu malen. Für viel mehr sind sie nicht zu gebrauchen. Und daher habe ich das ja schon in diesem Thread vorgeführt und meine eigenen Bildchen gemalt - die dann sogar zugetroffen haben. Und nun bedenke man: wenn die relativ einfach strukturierten Stratosphärenkarten für eine Vorausschau von 10 Tagen schon nicht stimmen, wie kann die viel kompliziertere Troposphärenkarte dann zutreffen? Genau: kann sie eigentlich nicht!
Und was sagt uns das nun?
Wenn wir eine Prognose für die Zukunft machen wollen, die auch eine erhöhte Trefferquote haben soll, dann müssen wir viel mehr machen, als nur das simulierte Modellwetter ablesen. Denn das, was uns da gezeigt wird, ist nichts weiter als das Ergebnis eines langen Rechenwegs in einem Rechenmodell. Das ist logisch aufeinander aufgebaut und ganz bestimmt eine ungeheure Rechnerleistung. Leider aber zu 80%
nicht zutreffend für einen Zeitraum von mehr als 10 Tagen. Es ist nur ein Experiment mit "offenem Ausgang" in jedem neuen Lauf. Und dieses Experiment beginnt nicht etwa nach 10 Tagen, nö, es beginnt mit der ersten Stunde der Simulation und entfernt sich von der Realität mit jeder weiteren Stunde. Bis zum dritten Tag passen aber Theorie (Experiment) und Praxis (Echtwetter) noch ziemlich gut zusammen und daher hat man in dieser Spanne eine hohe Prognosesicherheit. Bis zum 5. Tag wird es dann schon unsicherer und ab dem 7. Tag sind die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten schon so groß, dass die Streuung immer weiter anwächst und man nur noch nach den Mittelwerten schielen kann, um überhaupt noch eine vermeintlich vernünftige Aussage treffen zu können.
Wer also eine zutreffende Prognose über mehr als 7-10 Tage machen möchte, der wird neue Wege finden müssen - weg von den Modellergebnissen, hin zu weiteren Entscheidungshilfen. Ein langer Weg und viel Zeitaufwand wird dafür benötigt, will man es ständig besser machen und die Treffsicherheit erhöhen. Und es benötigt innovative Vorgehensweisen, denn wenn wir eins ganz sicher wissen, dann dass die Vorgehensweise der Wettermodelle für längere Prognosezeiträume
nicht erfolgreich sind. Wer also eine Prognose aufgrund von Wettermodellen für mehr als 10 Tage machen will, der sollte sich gerade nicht an die Modelle halten, weil die können es nicht!
Und wenn wir schauen, was manche Berufsmeteorologen machen, die sich tatsächlich nur auf Berechnungen von Modellen stützen und daraus eine Langfristprognose medial wirksam erstellen, dann sollten wir schon hier und heute wissen und sagen können: das wird zu 80%
nicht zutreffen! Von den 20% Erfolg leben dann diese Meteorologen. Mir wäre das viel zu wenig, um nicht zu sagen: peinlich.
Im Umkehrschluss aus diesen Feststellungen (Modelle haben nur eine geringe Trefferquote nach 10 Tagen Forecast), kann man aber auch das Licht im Tunnel entdecken: Abweichungen zu den Modellberechnungen sind wahrscheinlicher als die Berechnungen derselben. Und wenn man das verinnerlicht hat, dann sucht man nach den möglichen Lösungen, die das Modell tatsächlich so nicht (oder noch nicht) gefunden hat. Dann steigt sogar die Wahrscheinlichkeit, dass man mit der "neuen" Lösung näher an der Realität sein wird als das Modell. Capito? Muss man halt nur noch die Alternativlösungen finden. Aber das ist nun wirklich ein anderes Thema..
Wenn Euch das Thema "Prognose-Erstellung für 10-14 Tage" interessieren sollte, dann könnte ich mich dazu hinreißen lassen, mehr darüber zu schreiben. Aber das mache ich nicht, um die Zeit tot zu schlagen, sondern wenn dann nur deshalb, um einen kleinen Einblick zu geben, wie man step by step an das Ziel kommen könnte. Meine Vorgehensweise habe ich mir, wenn ich ganz aufrichtig bin, von den Ideen und Aussagen von KlimaAutist gemobst, nachdem ich erst verstanden hatte, was er aussagte, wie er es meinte und wie er es vor allem machte..
Das war jetzt ein spontaner Ausflug in das erste Kapitel eines neuen Themas, das aber die Basis ist für alle Analysen und Einschätzungen zum Polarwirbel und den Großwetterlagen der Nordhalbkugel, die dann immer unser Wetter in Stadt A und Dorf Z machen. Ich hoffe, Ihr konntet damit etwas anfangen. Wenn nicht, einfach umblättern
Gruß in die Runde!