Heinrich schrieb:Wettergucker schrieb:... und meiner Meinung nach sind die Zeiten das mild immer gewinnt im gewandelten und weiter wandelden Klima gezählt. Wir sitzen grundlegend zwischen den Stühlen ... das wird sich nicht ändern.
Grüßt Euch!
Nun, da wird sich wohl doch etwas ändern, wenigstens für die nächsten Jahre. Warum? Weil wir eine Phase bekommen, in der der Nordatlantikstrom seine wärmende Funktion ein wenig einbüßen wird. Der legendäre KlimaAutist scheint recht zu behalten, der Golfstrom wird tatsächlich schwächer. Zumindest zeigen einige Daten, dass wir uns in eine Wechselzeit begeben. Auffällig ist doch, dass wir im September und Oktober eine Meereis-Entwicklung hatten, die wir seit Aufzeichnungsbeginn noch nie hatten. Rekordschnelles Eiswachstum, nicht etwa nur Prozentual, nein, in gemessenen Eis-Quadratkilometern! Und das in Klimawandel-Zeiten! Ja, da tut sich was...
Obendrauf kommt dann noch die stark negative PDO, die ja bekanntlich bis zu 20 Jahre anhalten kann.
Saisonal dann noch eine starke La Nina, die ja zumindest global die Temperaturen drücken wird.
Als Sahnehaube dann noch der schwache neue Sonnenzyklus, wie immer sich das dann auch real auswirken kann.
Eine solche Entwicklung hat natürlich auf längere Sicht auch direkte und indirekte Auswirkungen auf unser Winterwetter in Mitteleuropa, wo wir doch immer zwischen den Stühlen sitzen und so schnell auf die Mildwinter-Seite rutschen. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein und wir landen für mehrere Jahre viel häufiger auf der kalten Seite. Nur ob das schon in diesem Winter sein wird, ich weiß es nicht, ich vermute eher noch nicht, ich denke, wir sind im Übergang - hohe Amplituden inbegriffen! Aber Gewissheit gibt es wie immer erst hinterher.
Der Polarwirbel verhält sich entsprechend auch so, als gäbe es weniger Klimawandel, heißt, er verstärkt sich rasch und wird zu einem Kälte-Festhalter. Das bedeutet weniger Kaltluftausbrüche insgesamt, kann aber zufällig bei uns auch mehr bringen und in Nordamerika oder Asien weniger. Ganz egal, wer Glück oder Pech hat, insgesamt bedeutet ein erstarkender Polarwirbel und mehr Kälte, die zentral gehalten werden kann, dass nach und nach die Frontalzone immer weiter nach Süden gedrängt wird. Und es ist dann nur eine Frage der Zeit, dass wir für längere Zeit durchschnittlich auf der kalten Seite landen werden. Tendenziell also wahrscheinlicher für den Hochwinter und für den Spätwinter. Man sollte sich darauf einstellen gedanklich und die Modellkarten auch unter diesem Gesichtspunkt in der erweiterten Mittelfrist betrachten und bewerten.
Im Ergebnis bedeutet meine hier genannte Hypothese, dass ein markanter Wintervorstoß Ende November oder auch bis Weihnachten als wirklich nette Zugabe außer der Reihe zu bewerten ist, als Zugabe zu dem, was eigentlich erst ab Mitte/Ende Januar zu erwarten sein sollte. Also genießen und nicht überbewerten, aber auch nicht als vergeblich verschossene Munition abtun...
Das gilt übrigens auch für die mögliche 5b-Wetterlage zum Monatsende. Eine Extraportion Wetter mit besonderen Ausgangslagen, vielleicht sogar ein ganz besonderes Event. Mehr sollte man nicht hineininterpretieren. Und nie vergessen: wir in Mitteleuropa sind meist am langen Ende der Winterkette und können schnell zurück verfrachtet werden in die Mildecke. Nun gut, man wird sehen.
Meinen Gruß!
Grüßt Euch!
Mit dem Zitat wollte ich nur in Erinnerung rufen, dass wir Ende November/Anfang Dezember, ja sogar bis Weihnachten üblicherweise von echtem Winterwetter in unseren Breiten und in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels eigentlich nur nostalgisch träumen können. Wenn wir dann aber doch winterliches Wetter für mehrere Tage haben und sogar teilweise bis ins Tiefland, dann sollten wir das einfach nur genießen als Winterfreunde. Es ist wirklich außer der Reihe, auch statistisch und auch nach den Jahren von 1961-1990!
Nikolaus mit Schnee im Tiefland ist wirklich eine Rarität, in diesem Jahr wohl tatsächlich in nennenswerten Regionen möglich. Das sollten wir dann auch mal so sehen als Raritäten-Kino...
Blicken wir auf den stratosphärischen Polarwirbel, dann sehen wir einen gesunden Burschen, der überhaupt keine Anzeichen macht, Schwächen zu zeigen. Die derzeitigen Kaltluftausbrüche sind der Jahreszeit Anfang Dezember geschuldet, wo die ungewöhnlich hohen Temperaturdifferenzen zwischen kaltem Norden und warmen Süden einen Ausgleich suchen. Dann baut sich schon mal eine Welle mehr auf, die das ganze Gefüge in der Troposphäre dann in Bewegung bringt - um dann bald wieder in ruhigere Bahnen zu kommen. Ein wenig hoffe ich ja noch, wegen der ansonsten langwierigen Wetter-Schonkost, dass sich um Weihnachten nochmals ein Kaltluftausbruch nach Mitteleuropa verirren wird mit Schneeoptionen und Dauerfrostphase. Ansonsten werden wir vermutlich bis Mitte Januar warten müsssen, wenn wir uns nach echtem Winterwetter in ganz Deutschland und drum herum sehnen.
Übrigens die Winterprognose von Kurt Hansen ist Online. Wunderbar erklärt, gut illustriert, wie immer!
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Danke lieber Kurt Hansen für Deine Mühe und Ausdauer!
Meinen Gruß!