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Normale Version: Bericht: Starkregen / Hochwasser Juli 2021 (Deutschland, RP & NW)
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Hallo in die Runde,

nach längerer Abstinenz melde ich mich wieder zurück und möchte direkt auf eine ausführliche meteorologische Übersicht mit Analyse des Wetterablaufs, Modelldaten und Messdaten sowie eine Bewertung des Niederschlagsereignisses zum Starkregen / Hochwasser im Juli 2021 in RP & NW hinweisen, welcher im Rahmen eines eigenen Projektes entstanden ist.

Der Bericht ist zu finden unter -> Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.

Kommentare, Anregungen und Kritik ausdrücklich erwünscht!

Viele Grüße 
UU
Wow,
da hat sich aber jemand mal richtig Arbeit gemacht, Hut ab.  78


Aber vermutlich sind Verbesserungsvorschläge für dich wertvoller, als wenn dich jemand lobt.

- Ich würde schon sagen, dass die Vorgeschichte keine durchschnittliche, sondern eine nasse war. Ein Vergleich der Regenwerte des ganzen bisherigen Jahres ist nicht so relevant wie die Verhältnisse wenige Tage vor dem Ereignis, meinetwegen wenige Wochen.  Das lässt sich z.B. am pflanzenverfügbaren Wasser belegen... man bedenke, Mitte Juli herrscht gerne mal Dürre schlicht aufgrund der starken Sonne. Die ersten Tage der Animation sind noch vor dem 14.7.:

[attachment=37571]

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Außerdem sind nicht nur die Regenmengen, sondern auch die Sonnenstunden wichtig, weil sonst der viele Regen verdunstet wäre. Die 9 Tage vor dem 14.7. waren sehr sonnenarm:

[attachment=37572]

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- Ich weiß ja nicht, wer die Zielgruppe des Artikels ist. Für Laien hätte der Abschnitt mit der Jährlichkeit des Auftretens jedenfalls einfacher geschrieben sein können. Den Abschnitt mit dem 7km-Raster und dem 50km-Raster hätte ich weggelassen. Oder auch den Namen des Verfahrens. Die Aussage mit dem etwa 100jährigen Ereignis macht auch ohne diese Ausführungen Sinn. Angesichts extremer werdenden Niederschlägen stellt sich die Frage des Bezugs... ich vermute Vergangenheit, seit etwa 1950 bis heute?

- Und eine Frage noch: Ist das Regengebiet nicht erst dadurch so richtig fett geworden, dass es viel Feuchtigkeit von der extrem überwärmten Ostsee mit einbezog? Vom Balkan über Polen und ganz Norddeutschland hat es viel Zeit, über Land abzutrocknen...


Soll die Arbeit aber keinesfalls schmählern, sie ist natürlich äußerst informativ. Smile

LG
Robbi schrieb:- Und eine Frage noch: Ist das Regengebiet nicht erst dadurch so richtig fett geworden, dass es viel Feuchtigkeit von der extrem überwärmten Ostsee mit einbezog? Vom Balkan über Polen und ganz Norddeutschland hat es viel Zeit, über Land abzutrocknen...

Grüßt Euch!

Sehr gute Arbeit, sehr informativ.

Robbis Einwände und Ergänzungen sind auch wirklich gut. Nur bei oben zitierter Frage (mit nachgesetzter relativer Antwort) kann ich nicht folgen. Die Fläche in der Ostsee, die entsprechend warm war, um es mit dem Mittelmeer einigermaßen zu vergleichen, war klein und nach Adam Riese dürfte es - wenn überhaupt - nur einen marginalen Beitrag zur Wasseraufnahme in der Atmosphäre gehabt haben, insbesondere für dieses Höhentief. Wenn ich es richtig erinnere, dann wurde die warme, sehr feuchte Luftmasse (mit bis zu 50 Liter ausfällbarem Wasser in der Luftsäule) tatsächlich im weiten Bogen um das quasistationäre Höhentief vom Mittelmeer (westliches) über Polen, Norddeutschland nach Westdeutschland geführt. Durch die nahezu stationären Rahmenbedingungen konnte nicht viel abtrocknen auf dem Weg. Bei uns im Wendland (weit abseits der mutmaßlichen Einflüsse der Ostsee-Erwärmung) lag das ausfällbare Wasser bei 35 bis 45 Liter über 2 oder 3 Tage. Da trocknete offenbar nichts ab und es kam auch ganz sicher nichts von der Ostsee hinzu. Dass das Wasser auf dem langen Weg nicht schon viel früher in entsprechender Menge ausfällte, lag dann wohl an Cape, Deckel, zu geringer Hebung oder was auch immer. Jedenfalls ist das Gro der Wasserverfügbarkeit kreisförmig entgegen dem Uhrzeigersinn in einem recht schmalen Streifen bis vor die "Küste" von NRW herumgedreht worden und "brandete" dann dort an, teil orografisch bedingt, teils durch Hebung und Scherung. Diese Luftmasse stoppte ja auch nicht in NRW/RLP sondern kreiste danach über Bayern und dann auch nochmals über Sachsen... Jedenfalls nehme ich an, dass die Geschichte mit der Ostsee als Mittelmeer-Ersatz eine Bade-Ente ist, die nie fliegen oder selbst schnattern wird, aber hübsch anzuschauen ist. Ich weiß gar nicht, wer diese Idee geboren hatte. Rein physikalisch geht eine solche Annahme m.M.n. auch nicht, denn die entsprechend zu kleine warme Wasseroberfläche der Ostsee (mit 26 Grad Temperatur) lässt keinen bedeutsamen Feuchtefluss in die zirkulierende Atmosphäre zu. Aber vielleicht habe ich etwas übersehen oder interpretiere die Ausgangslage falsch.

Wenn meine Annahme richtig ist, dann bedeutet das aber auch, dass auch ohne eine exorbitant warme Ostsee durchaus öfters die Möglichkeit besteht, dass sich durch ein Cutoff-Tief, welches über Deutschland zum liegen kommt für 2-3 Tage, solche Regenmengen in der gesamten Kreisbahn des quasistationären Tiefs möglich sein sollten, sofern aus dem Mittelmeer die warme und sehr feuchte Luftmasse in die Rotation eingespeist wird. Wo die Auslöse der extremen Regenmengen dann geschieht, ist abhängig von den Rahmenbedingungen und ist "Wetterlotto". Grundsätzlich wäre NRW folglich bei der "Ausspielung" dabei und könnte auch bald wieder einen "Volltreffer" hinnehmen müssen. Schon deshalb sollte man unbedingt die Fehler der Vergangenheit so weit es geht minimieren.

Meinen Gruß!
Lieber Robbi, lieber Heinrich,

vielen Dank für euer Feedback und die Diskussion!

Heinrich hatte ja bereits einige Punkte bzgl. Feuchtigkeitstransport genannt, dies sehe ich ähnlich.
Was die Vorgeschichte angeht, wäre sicherlich eine zusätzliche Betrachtung der vorangegangenen Wochen sinnvoll. Ggf. liefere ich da noch eine Grafik nach.
Der Einfluss der Sonnenstunden auf das Hochwasser halte ich für sehr überschaubar. Viel wichtiger waren die enormen Regenmengen, die über einer sehr großen Fläche niedergegangen sind. Ich habe dazu auch zwei Grafiken von unserer Facebook-Seite:

Wir haben die Niederschlagsmengen der Einzugsgebiete der am schwersten vom Hochwasser betroffenen Flüsse Erft, Ahr, Prüm und Kyll (Abb. 1) sowie der Stadt- und Landkreise (Abb. 2) untersucht. Die Farbflächen in den Abbildungen repräsentieren die 48-stündige Niederschlagssumme (13.-15.07.2021, 06-06 UTC) in mm. Die Zahlenwerte geben die Fläche der Einzugsgebiete in qkm (Abb. 1, oben) und das Flächenmittel des gefallenen Niederschlags (in mm) in diesen Einzugsgebieten an (Abb. 1 + 2). Im Einzugsgebiet der Erft fielen beispielsweise auf einer Fläche von 1750.5 qkm durchschnittlich 95.5 Liter pro Quadratmeter!

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Abb. 1: Farbflächen: 48h-Niederschlagssumme (13.-15.07.2021, 06-06 UTC). Zahlenwerte: Größe der Einzugsgebiete (in qkm) und Flächenmittel (bezogen auf das Einzugsgebiet) des gefallen Niederschlags (in mm) der am schwersten betroffenen Flüsse Erft, Ahr, Prüm und Kyll.

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Abb. 2: Farbflächen: 48h-Niederschlagssumme (13.-15.07.2021, 06-06 UTC). Zahlenwerte: Flächenmittel von Stadt- und Landkreisen (bezogen auf das Einzugsgebiet) des gefallen Niederschlags (in mm).

Datengrundlage: RADOLAN, DWD

Quelle: Link ist nur fuer registrierte User sichtbar. registrieren oder login.
Hab grad
genug Kontroverse um mich rum, nur so viel:

Beim Thema Sonnenschein und Feuchtigkeit von der Ostsee versteht ihr mich falsch. Mag an mir liegen, dass ich mich missverständlich ausdrücke.
Guten Abend Robbi,

du kannst mir gerne auch eine PN zu dem Thema schreiben.

Viele Grüße!